Was bedeutet eigentlich Neuanfang?

Sich neu erfinden, wachsen, verändern…? Wie viel von dem was war, kann ich eigentlich tatsächlich hinter mir lassen, was nehme ich mit? Was sollte ich mitnehmen? In meinem ersten Post habe ich darüber geschrieben, dass ich mich immer dann neu erfinden möchte und darf, wenn ich von dem Weg abkomme, der meinen „Zweck der Existenz“ erfüllt. Doch wie beeinflusst mich das eigentlich als Charakter?

Aus Vergangenem lernen.

Vergeben. Mir selbst und anderen.

Dankbar sein.

Den Sinn jeder Erfahrung finden.

Abschließen.

Es sind immer die Erlebnisse, an die wir uns emotional am meisten gebunden haben, die uns einen Abschluss am schwersten machen. Oft erkennt der Kopf schon längst, was dem Herz verborgen bleibt: Dass es Zeit ist, weiterzugehen.

 

Der Prozess des Abschließens

Nach der Entscheidung für ein Ende, dem Schritt eine Grenze zu ziehen folgt ein Prozess aus Wut, des Nicht-Wahrhaben-Wollens, der Resignation, Trauer, Akzeptanz und Neuausrichtung. Vielleicht nicht in dieser Reihenfolge, vielleicht nicht immer besonders intensiv. So schwer die Anfangszeit ist, empfinde ich gerade die Neuausrichtung als besonders herausfordernd. Warum?

Ich muss mich entscheiden, was ich mitnehmen und was ich hinter mir lassen möchte.
Diese Entscheidung treffe ich meist unterbewusst. Oft merke ich erst in der nächsten Situation, welche faulen Äpfel ich mir eigentlich in meinen Rucksack geladen habe. Oder ich kann Früchte ernten, aus den Samen die ich gepflanzt habe. Jede Phase im Leben schafft neue Überzeugungen. Einige davon sind hilfreich, andere weniger. Jede Phase liefert mir Erkenntnisse über mich selbst. Nur, wenn ich diese Erkenntnisse für meine Neuausrichtung nutze, gebe ich allem was war einen Sinn. Nur so kann ich mich aktiv verändern.

Dieser Prozess dauert oft so viel länger, als ich es bemerke. Mein Umfeld hat sich längst an „neu“ gewöhnt. Fragt nicht mehr danach, hat es vielleicht bereits vergessen. Doch manchmal kommen diese Momente, diese Gedanken, Gefühle. Diese Wut, Angst und Freude. Diese Reaktionen, die ich von damals kenne, die ich doch eigentlich dort gelassen habe – in der Vergangenheit.

In diesem Moment halte ich inne. Ich beobachte mich genau. Lausche meinen Gedanken. Warum gerade jetzt? Warum dieser Gedanke? Worauf liegt meine Aufmerksamkeit? Passt mein Gefühl zu dieser Situation? Ich prüfe, ob mein Inneres zum Äußeren passt und ich verändere es, wenn es voneinander abweicht. Warum das so wichtig ist?

Damit ich mich frei fühle. Wenn ich etwas zurück halte, bin ich angestrengt. Wenn ich grüble, belastet. Wenn ich hinter etwas herlaufe, aufgewühlt. Nur wenn ich tue, was ich möchte, sage was ich denke und bin was ich fühle. Nur dann bin ich frei.

Manchmal muss Du Altes wecken, um Heute frei zu sein.

Myanmar. Inle Lake. December 2013

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Namasté Du Wunder,

Anja

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